Mit der Vespa an die Adria

Beim Vespa-Mai-Stammtisch kamen zwei Mitglieder (Tobias und Steffi) des MC Neuburg auf die „verrückte“ Idee: „Schatzerl, die Vespa muss nochmal nach Italien, kommst mit?“ – „Natürlich komm ich mit!“

Gut, dachten wir, der Plan steht. Am 18.06.17 geht es also los. Auf nach Bibione. Naja… so einen Plan zu haben ist ja ganz nett, aber dazu gehört viel mehr als gedacht. Ein Planungsbuch musste her. Die Seiten mit Ideen und wichtigen Dingen füllten sich schnell. Was man mit einer V 50 R (Hilde) und einer V 50 L beide Baujahr 1969 so beachten muss.

Welche Strecke fahren wir, was an Gepäck mitnehmen und wohin damit, wo schlafen wir unterwegs, was muss alles besorgt werden?

Wie lange kann man an einem Tag fahren und wie viele Höhenmeter schafft so eine Vespa mit nur 50 ccm? Fragen über Fragen….

Also rein mit der Idee und den Fragen in die Vespa WhatsApp Gruppe und ins Vespa-Forum. Viele clubeigenen Vespafahrer und ein Pärchen aus München meldeten sich bei uns, die dieses Erlebnis schon hinter sich hatten. Alle gaben uns wichtige Tipps und Infos. Ist auch nicht so einfach, wie es klingt, na ja fahren wir halt los, Straßen gibt es genug… Nein, so leicht ist das mit 50 ccm nicht. Alle Kraftfahrtstraßen sind für uns Tabu, das heißt wir sind im Internet auf die offiziellen Seiten des Bundesamtes für Straßen in Deutschland, Österreich und Italien und haben uns Pläne und Listen ausgedruckt. Damit wurden die möglichen Routen aber immer weniger und wir hatten das nächste Problem!

Dann haben wir online eine Seite eröffnet, stellten das komplette Vorhaben darin vor und auch unsere WhatsApp Gruppe unterstützte uns tatkräftig, obwohl sie selbst mit den Vorbereitungen zu den Vespa-Alp-Days in Zell am See zu tun hatten. Schnell hatten wir „Leihgaben“ für unsere Tour zusammen. Eine „Dackelgarage“ (kleines Zelt), einen Ruck- und Gepäcksack und viele verschiedene andere Utensilien. Letzte Einkäufe wurden erledigt, z. B. einen Vespa-Gepäckträger für vorne und hinten, der 10 Liter Kraftstoffersatzkanister, Öl, Zündkerzen, Ersatzschlauch und Züge, ganz nach dem Motto: „Vertrauen ist gut, Werkzeug ist besser“!

Aufgepackt, als würden wir auswandern wollen, ging es nach einer kurzen Nacht vom 17. auf 18. Juni los Richtung Italien!

Die erste Etappe ging von Bergheim bis Südtirol. Das eigentliche Tagesziel von Brixen konnte wegen des starken Gegenwindes nicht erreicht werden. Am Sonntag ging es dann wieder früh los nach Bibione. Unsere, aus möglichst wenig Höhenmetern bestehende, geplante Fahrtroute wurde leider wegen eines Murenabgangs von der italienischen Carabinieri unterbrochen, denn die Straße war unpassierbar.

Umleitung Quer durch die Dolomiten, mittendurch durchs Hochgebirge, 2200 Höhenmeter, 20%ige Anstiege und enge Nadelöhr Kurven und das alles, wie gesagt, mit 50 Kubikzentimeter!!

Der Zylinder röhrt im 2. Gang, Drehzahl auf Anschlag und als der Rennradfahrer winkend an mir vorbei fuhr und überholte, war mir klar, der 1. Gang muss rein. Dabei erwischte ich mich mehrfach selber, wie ich meiner Hilde aufs Hinterteil klopfte und Ihr zurief: „Auf geht´s , Du schaffst das, Du bist ein gutes Mädchen. Wenn wir oben sind, bekommst Du eine Pause und was zum Tanken“. Man belächelt sich dabei nur selber und bemerkt, dass Zweitaktdämpfe wohl doch ihre Spuren hinterlassen!

Nach vielen Kurven, mega Strecken bergauf und bergab, mit einer Aussicht dass, es nicht schöner sein könnte fuhren wir so lange dem Handynavi hinterher, bis wir um ca. 18:30 endlich Bibione Mare erreichten.

Der Moment, wenn man bei 28 Grad Lufttemperatur die Jacke auszieht die Schuhe und Socken abstreift und mit dem High-Rollers Shirt am Strand steht, die Sonne langsam untergehen sieht, schaut man nur dankbar nach oben und dann zur Vespa und dankt, dass nichts passiert ist und es nicht einen Ausfall an beiden Rollern gab!

Dieser Moment ist unbezahlbar schön. Würden wir es wieder tun? Klar, wir müssen ja wieder heim kommen! Scherz! Ja, wir würden es wieder machen. Nach so einer guten Jungfernfahrt, gerne mit mehreren Mitfahrern aus dem Motorclub Neuburg.